Zur Definition von Römischer Schule in historischer Multiperspektivität
Résumé
Zur Definition von Römischer Schule in historischer MultiperspektivitätDer Begriff der Römischen Schule zeichnet sich durch eine ausgeprägte Vieldeutigkeit aus.Eine Untersuchung über einen längeren Zeitraum hinweg stellt zudem die Musikforschung vor zwei Herausforderungen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: Zum einen erfährt der Begriff der Römischen Schule im Laufe der Zeit eine semantische Wandlung, die eine differenzierte Untersuchung erfordert.Zum anderen gilt die katholische ,Gegenreformation' im interdisziplinären Diskurs um die Kirchenreform ebenso wie um die Reform der Kirchenmusik als eine Station einer jahrhundertlangen und hierin quasi zyklischen Reformbewegung.Bereits die gemeinsame Betrachtung von Kirchenreform und Schulbegriff führt zu einer wichtigen Einschränkung des Untersuchungsfelds.Nichtdestotrotz ist bei der weiteren Erfassung des großen Literaturbestands zu diesen Themen zusätzlich zu beachten, wie sich auch der allgemein-und musikhistoriographische Fachdiskurs parallel dazu entwickelt hat.Wie Craig A. Monson am Anfang seines Artikels "The Council of Trent Revisited" (2002) erklärt, war das Konzept einer Gegenreformation als katholische Reaktion auf den Protestantismus zunächst ein Produkt der norddeutschen Historiographie.Inzwischen gilt das Konzil von Trient (1545-1563) als ein Höhepunkt innerhalb einer jahrhundertlangen Reformbestrebung, die auch verschiedene Formen der Volksfrömmigkeit mit einschließt. 1 Robert L. Kendrick schreibt diese Sichtweise in seinem "Kapitel über "Catholic Music" für die Cambridge History (2019) generell fort.Er erwähnt aber ebenso jüngere Forschungsergebnisse, die teilweise im Kontrast zum bisherigen Diskussionstand stehen.Klaus Pietschmann -der von Kendrick zitiert wird -ist etwa in seinem Studium älteren Repertoires der päpstlichen Kapelle -anders als Monson -zur Erkenntnis gekommen, dass eine oder die Reform der Kirchenmusik bereits am päpstlichen Hof unter Paul III. (1534-1549) ansetzte.2 Diesem Aspekt kann insbesondere in Verbindung mit der frühesten Überlieferung zur Definition oder zum Selbstverständnis einer Römischen Schule nachgegangen werden: Denn Paul III. war kurzgefasst derjenige Papst, der 1545 das Konzil von Trient eröffnete.Die Edikte über die Musik von 1563, die oftmals als Ausgangspunkt für musikalische Historiographie dienen, gehen andererseits erst auf die Abschlussphase des Konzils zurück.1 Craig A. Monson, "The Council of Trent Revisited", in: Journal of the American Musicological Society 55 (2002), S. 1-37, hier: S. 1. 2 Robert L. Kendrick, "Catholic Music", in: Iain Fenlon / Richard Wistreich (Hg
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